Faust III
Mysterienspiel des 21. Jahrhunderts

Faust III | Textproben

2. Akt, 6. Szene, Faust erinnert sich

Geist im Löwen
Erhabner Geist“, so rang ich einst um Geister.
Selber Geist verkannte ich den Meister
aller Zeitentiefen und der fernsten Orte
für die selbst hier ich misse noch der richtgen Worte.
Du, nach dem mein inwendig Flammen glühend zehrte,
nur Blindheit war es, die sich Deinen Blitzen wehrte
der Du mir doch stets näher als ich selber war.
Selbst die Magie trieb mich zu Deiner Engel Schar,
da ich vergaß, daß einst auf den Höhen des Sinai
Du mir die Sonnenwelten zeigtest Deiner ersten Archai.

Seele in der Jungfrau
Du, der Du bist der Gründer aller Gründe,
Selbst übernahmst die schwärzeste der Menschensünde,
Unermesslich, mit welcher Gnade und Geduld,
Du der blöden Menschheit erlässt jedwede Schuld.
Wenn sie einst zu ihrer jüngsten Stunde
erkennt, daß sie für ihrer Taten Grunde
selber sitzt als bittrer Richter zu Gericht.
Wenn kein Erbarmen mehr die nackten Hände flicht,
Dann Dein sanftes Morgenlicht zur neuen Herzensgnosis
rundet die apfelsüße Willensfrucht aus der Seelen Finsternis.

Körper im Krebs
O wie sonnt mich mein Erinnern an die Zeit der Zeiten,
Als ich selbst als Hohepriester erlitt des Tempels widerliche Abscheulichkeiten,
bevor hinter dem Vorhang noch von Mariens eigner Hand mich der Levite würgte
ich noch im Fleische sah Dich, Der für unser aller Rettung bürgte,
meine hundertjährig zitternd Lippen durften dieses Knäbleins Rosenfüßchen kosen,
die Kaiphas Häscher am Tag der Zeitenwende dann so ruchlos durchgestossen.
Elias war in meinem Johannes dann hiernieden
Dein Täufer zwar, das weitere Wachsen aber nicht beschieden.
Daher in jedem Leben wird uns das größte Rätsel neu und nie war bislang Rat,
Herr alles Lebens, Todbesieger, was ist blos Deine größte Liebetat?
Geist in der Waage
Im Fleische durft ich sinnlich damals noch ergreifen
wie zwei Zeiten zugleich im selben Raume reiften.
Die Menschen, die sich in Deinem Lebenslichte sonnten,
Zeiten von sieben Jahren Differenz zugleich erleben konnten.
Im Dunkel der Geschichte verlor die Menschheit dann alle Ahnung
von der Gnosis Weisheit, ihre Vernichtung war schon Planung
jener Kräfte, die erprobt in des schwarzen Tempels klammen Riten
mit satanisch Ränken Roms Kampfesmut zum Verderben unterhielten.
Über achthundert Jahre verschwand das Tor zum Gral,
bis zuletzt ein schuldig reiner Knabe kam zur rechten Wahl.
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